Weder Tag noch Stunde | dailyprompt

Meine Vorstellung, sehr alt zu werden, ist tagesabhängig. Vor allem, wenn ich den Worten unserer Bundesregierung, der Bundestagsabgeordneten, der EU-Kommission, des NATO-Führungsstabs und hochrangiger Militärs Glauben schenke, die sie Woche für Woche von sich geben. (Empfohlen sei hier das Wörterbuch der Kriegstüchtigkeit von Leo Ensel: https://www.nachdenkseiten.de/?tag=woerterbuch-der-kriegstuechtigkeit). Dann endet die Vorstellung in drei bis vier Jahren oder sogar noch früher.

Ich beobachte den „Kampf” der Menschheit gegen die längst begonnene Klimakatastrophe. Dieser endete nämlich mit der Corona-Pandemie. Manchmal stelle ich mir vor, dass es die Pandemie nur gab, um die größte weltweite Protestbewegung mundtot zu machen. Die Klimakatastrophe wird geradezu befeuert. Ich war letztes Jahr im Klimahaus in Bremerhaven und habe mir dort die neue Dauerausstellung „Wetterextreme” angesehen. In den nächsten Jahrzehnten werden wir punktuell Wolkenbrüche erleben, die wir uns heute noch nicht vorstellen können. Dagegen wird die Ahrtalflut „Pillepalle” gewesen sein. Durch Kriegsereignisse, insbesondere einen Atomkrieg, oder durch Extremwetterereignisse vorzeitig zu sterben, wird mit jedem weiteren Jahr unserer Untätigkeit wahrscheinlicher.

Wenn ich mir die Verbreitung von Plastik, Makroplastik, Mikroplastik und Nanoplastik anschaue, weiß ich, wie sehr uns diese Stoffe vergiften. Alle Produkte, die aus Erdöl hergestellt werden, sind davon betroffen. Die Wahrscheinlichkeit, an Krebs …

wir kennen weder
Tag noch Stunde und nicht die
Todesursache

… vorzeitig, ja bereits in jungen Jahren zu sterben, wird ebenfalls von Jahr zu Jahr größer.

Abgesehen von diesen „Petitessen“ kann ich mir alles vorstellen: das demente Dahinsiechen mit Sprachverlust, die Abhängigkeit von einer 24/7-Betreuung nach einem oder mehreren Schlaganfällen oder ein Unfall, der mich die nächsten Jahre oder Jahrzehnte regungslos ans Bett fesselt. Oder ich stelle mir vor, wie Clint Eastwood mit 94 Jahren produktiv und mitten im Leben zu stehen. Ich sage immer leichtfertig, ich hätte keine Pläne oder Ziele. Doch ein Ziel habe ich: Ich möchte der älteste Teilnehmer aller Zeiten am Neuwieder Deichlauf sein (ich sollte mich einmal erkundigen, wo der Rekord gerade steht).

Wer weiß, ob ich am 34 334. Tag meines Lebens noch die Daily Prompts oder mein Tagebuch blogge?

Nein, Schluss mit dem Spuk. Ich stelle mir das nicht vor. Ich kenne weder Tag noch Stunde. Es kann sein, dass ich gerade diesen Text schreibe und tot umfalle. Every day is a new day. Ich versuche, aus jedem Tag das Beste zu machen, die beste Version meiner selbst zu sein, weiter zu reifen und immer da zu sein, wo meine Hilfe gebraucht wird – ohne mich zu überfordern.

Täglicher Schreibanreiz
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Autor: Bernd @Krise? Welche Krise?

» ... Ist es möglich; daß man trotz Erfindungen und Fortschritten, trotz Kultur, Religion und Weltweisheit an der Oberfläche des Lebens geblieben ist? Ist es möglich, daß man sogar diese Oberfläche, die doch immerhin etwas gewesen wäre, mit einem unglaublich langweiligen Stoff überzogen hat, so daß sie aussieht wie die Salonmöbel in den Sommerferien? Ja, es ist möglich. ... « – Rainer Maria Rilke, Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge, 1910 ====================

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